Ein Experten-Interview zur Infrarot-Wandheizung

Die Infrarotheizung: Direkte Wärme durch gesunde Infrarot-Strahlung

Eine umweltfreundliche und günstige Alternative – fast für jeden Haushalt

Infrarotheizungen lassen sich optisch unauffällig anbringen, z.B. an der Wand und in Form von Gemälden oder Spiegeln.

Infrarotheizungen für Gebäude sind noch nicht sehr weit verbreitet, dabei ist das Funktionsprinzip denkbar einfach: Statt die Luft im Raum erwärmen sie Mauern, Möbel und Menschen direkt mit Hilfe elektromagnetischer Strahlung, wie sie auch als Wärmestrahlung von der Sonne kommt. Dafür benötigen sie Strom aus der Steckdose.

wewewa.de hat mit dem Experten Prof. DI. Karl Hausner von der TU Karlsruhe gesprochen. Er sagt, was diese neue Art zu heizen bringt und für wen sie sinnvoll ist.

wewewa.de: Herr Hausner, sind Infrarotheizungen zu empfehlen?

Hausner: Sie können in vielen Fällen durchaus sinnvoll sein. So zum Beispiel für ein Gebäude, das vorher mit einer Nachtspeicherheizung oder einer elektrischen Fußbodenheizung ausgestattet war. Die Infrarotheizung ist hier wahrscheinlich in den meisten Fällen günstiger als die alte Heizung. Außerdem kann der Hausbesitzer die vorhandenen Thermostate und die elektrischen Leitungen weiternutzen. Die Anschaffungskosten sind dann besonders gering. Eine Infrarotheizung benötigt auch keinen Lagerraum, keinen Brenner und keinen Schornstein.

Der Verbraucher hängt sie an die Wand und steckt das Kabel im einfachsten Fall über einen Funkthermostaten gekoppelt in die übliche Haushaltssteckdose. Dafür ist mit ein wenig handwerklichem Geschick keine fachmännische Hilfe nötig. Es muss nur sichergestellt sein, dass die Stromkreise der Steckdosen genügend belastbar sind. Das könnte dem Hausbesitzer dann viele Kosten sparen, wenn er die alte Elektroheizung austauschen möchte. Auch für Häuser, die mit einer alten Gas- oder Ölheizung ausgestattet waren, kann sich eine Infrarotheizung lohnen.

wewewa.de: Eine Kilowattstunde (kWh) Strom ist zur Zeit aber wesentlich teurer als eine kWh Wärme aus Gas. Warum kann eine Infrarotheizung dann trotzdem günstiger sein?

Hausner: Eine Infrarotheizung braucht im Gegensatz zu vielen anderen Heizungen recht wenig Endenergie. Das ist die Energieform, die der Verbraucher angeliefert bekommt und bezahlt, also Gas, Heizöl oder Strom. Unsere Vergleichsmessungen haben ergeben, dass die Infrarotheizung nur etwa 40 Prozent der Endenergie verbraucht, die eine vergleichbare Gasheizung benötigt Hierbei müssen Verbraucher allerdings noch die Verluste bedenken, die bei der Stromproduktion auftreten. Werden diese noch berücksichtigt, benötigt eine Infrarotheizung ungefähr so viel Primärenergie wie eine vergleichbare Gasheizung.

wewewa.de Wie kann es sein, dass eine Infrarotheizung nur so wenig Strom benötigt?

Hausner: Das Temperaturempfinden von Menschen hängt sehr stark von ihrer Umgebung ab: Sind die Wände warm, kann die Lufttemperatur ruhig geringer sein als normal. Trotz etwa 18 Grad Lufttemperatur ist es im Raum noch angenehm. Dadurch verbraucht die Infrarotheizung insgesamt weniger Energie. Außerdem lässt sie sich sehr präzise regeln: Fällt etwa Sonnenlicht in einen Raum, erwärmt das ebenfalls die Wände und Gegenstände. Das Thermostat der Infrarotheizung registriert das und sie schaltet sich sofort ab. Dann verbraucht sie überhaupt keinen Strom.

Hinzu kommt noch, dass Gegenstände die Wärme besser und länger speichern können als Luft. Die Wände geben sie gleichmäßig an den Raum ab. Werden nun etwa Fenster geöffnet, kann die Wärme nicht einfach so entweichen, da sie ja in den Wänden gebunden ist.

wewewa.de: Ist es kein Problem, dass die Wände ständig warm sind?

Hausner: Die Wände trocknen. Damit kann zum Beispiel Schimmel verhindert werden. Die Feuchtigkeit wandert aus der Wand in den Raum. Das hat auch noch den Nebeneffekt, dass die Luftfeuchtigkeit im Zimmer recht konstant bleibt. Verbraucher sollten allerdings darauf achten, dass keine Feuchtigkeit von außen in das Gebäude eindringt: Sonst trocknet die Heizung eher, als dass sie heizt. Dann verbraucht sie viel mehr Energie.

wewewa.de: Eine Infrarotheizung bedeutet verhindert also trockene Winterluft im Raum. Was hat die direkte Wärme einer Infrarotheizung sonst noch für Auswirkungen?

Hausner: Für viele Menschen fühlen sich Infrarotstrahlen angenehm an: Es ist die Wärme von Sonnenstrahlen oder der eines Kachelofens. Die Strahlen werden ja auch zur Wärmebehandlung oder in Saunen verwendet.

wewewa.de: Das klingt so als sei die Infrarotheizung die Lösung aller Heizungsprobleme.

Hausner: Nein, das ist sie nicht. Für viele Häuser könnte sich ein anderes Heizsystem eher lohnen: Wurde das Haus etwa vorher mit Öl beheizt, sollten Verbraucher auch über eine Pelletheizung nachdenken. Der Öllagerraum wird dann in den meisten Fällen zum Pelletlager umfunktioniert. Das spart Investitionskosten. In einem Neubau oder wenn das Gebäude schon über eine Fußbodenheizung verfügt, wäre eine Wärmepumpenheizung überlegenswert. Die arbeitet nämlich mit einer Flächenheizung besonders effizient. Verbraucher sollten sich für jedes Haus individuell die Heizkosten berechnen lassen und mehrere Systeme vergleichen.

wewewa.de: Sind Infrarotheizungen denn umweltfreundlich?

Hausner: Im Vergleich mit anderen elektrischen Heizungen sind sie in jedem Fall umweltfreundlicher, da sie deutlich weniger Strom benötigen. Beim Vergleich mit einer bereits installierten Gasheizung ist die Klimabilanz ungefähr gleich, da sie für den Strom ähnlich viel Energie in Form von Kohle, Öl und Gas benötigt. Moderne Gasheizungen mit einem effizienten Brennwertkessel verbrauchen wahrscheinlich etwas weniger Energie. Wenn der Anteil an regenerativ erzeugtem Strom in Deutschland allerdings größer wird, verbessert sich die Klimabilanz der Infrarotheizung noch.

wewewa.de: Strom wird unter sehr hohem Resourceneinsatz produziert. Ist heizen mit Strom dann nicht eine Verschwendung von fossilen Energieträgern?

Hausner: Das ist richtig. Um eine Infrarotheizung also wirklich umweltfreundlich zu betreiben, würde ich den Betrieb auch nur mit 100 prozentigem Ökostrom empfehlen. Dafür werden dann überhaupt keine fossilen Energieträger mehr verbrannt. Das ist etwa bei einer Gasheizung nicht möglich: Selbst, wenn sie einen sehr effizienten Brenner hat und 100 Prozent der eingesetzten Energie für die Heizung nutzt. Sie wird dennoch immer Gas verbrennen, das auf der Erde zusehends weniger wird.

wewewa.de: Aber ist selbst Ökostrom nicht viel zu wertvoll, um ihn zu verheizen?

Hausner: Viele sehen das so, ja. Dabei sollten sie allerdings auch bedenken, dass Strom die Energie der Zukunft ist, auch für den Verkehrssektor: Strom lässt sich am einfachsten aus regenerativen Quellen erzeugen, Biokraftstoff herzustellen ist etwa viel aufwändiger und langfristig teurer als Ökostrom aus Sonne und Wind. Außerdem ist Strom aus regenerativen Quellen auch heute schon nicht teurer als der normale Haushaltsstrom: Eine kWh Ökostrom kostet zur Zeit rund 20 Cent. Das ist zwar noch etwas teurer als die Spezialtarife der Stromversorger für elektrische Heizungen, aber so viel sollte die Umwelt den Verbrauchern wert sein.

wewewa.de: Was verursacht eine Infrarotheizung denn für Heizkosten im Jahr?

Hausner: Einen genauen Betrag anzugeben ist nicht sinnvoll: Jedes Haus hat einen anderen Energiebedarf, die Bewohner heizen anders und die Umgebung ist anders beschaffen. Daher möchte ich mich hier nicht auf konkrete Zahlen festlegen. Was ich allerdings sagen kann ist, dass eine Infrarotheizung ungefähr so viele Kosten verursacht wie eine vergleichbare Gasheizung ohne Brennwertkessel. Wie bereits erwähnt ist sie im Gegensatz zu anderen rein elektrischen Heizungen günstiger. Ich kenne einige Haushalte, bei denen sich die Heizkosten mit der Infrarotheizung halbiert haben. Vorher hatten sie elektrische Nachtspeicheröfen.

wewewa.de: Was für Wartungskosten verursacht eine Infrarotheizung?

Hausner: Sie braucht eigentlich keine Wartung und verursacht so auch keine Kosten. An so einer Platte ist nicht viel dran, was kaputt gehen oder verschmutzen kann. Wie auch bei elektrischen Leitungen in der Gebäudewand, müssten sie erst nach mehr als 30 Jahren ausgetauscht oder erneuert werden.

wewewa.de: Für die Infrarotheizung muss also nicht regelmäßig ein Monteur oder der Schornsteinfeger kommen. Wie sieht es mit der Handhabung im Alltag aus?

Hausner: Eine Infrarotheizung sollte nur mit Thermostat betrieben werden. So schaltet sie sich automatisch ab, wenn die Wände warm genug sind. Das spart viel Energie. Außerdem muss der Bewohner sie dann nicht von Hand ein- und ausschalten. So hat der Verbraucher eigentlich keinerlei Arbeit mit einer Infrarotheizung.

wewewa.de: Was würden Sie Verbrauchern empfehlen, die sich eine Infrarotheizung zulegen wollen?

Hausner: Auf dem Markt gibt es sehr gute Infrarotheizungen. Häufig werden aber auch minderwertige Produkte angeboten. Viele Verkäufer versprechen ihren Kunden das Blaue vom Himmel. Wer sich für eine Infrarotheizung interessiert, sollte sich von verschiedenen Herstellern Angebote machen lassen und die Versprechungen kritisch hinterfragen.

wewewa.de: Herr Professor, vielen Dank für das Gespräch!